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Weichenstellung
für den
Schienengüterverkehr
von morgen.

Veröffentlicht am: 3. Juni 2026

Impuls Netzwerke > EANG Hamm > Aktuelles > Güter auf die Schiene – die Verkehrswende beginnt am Rangierbahnhof Hamm

Wer heute über die Autobahn fährt, sieht sie überall: endlose Kolonnen von LKW, Stoßstange an Stoßstange, Kilometer für Kilometer. Der Güterverkehr rollt – auf Gummi. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Ein bewährtes Konzept für die Entlastung der Straßen ist der Kombinierte Verkehr.

Neue Eisenbahngeschichte

In der Stadt Hamm, die früher wie heute als „östliches Tor zum Ruhrgebiet“ gilt, soll der Wendepunkt liegen: Auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs soll eines der ambitioniertesten Logistikprojekte des Landes umgesetzt werden: der Multi Hub Westfalen. Ein multimodaler Logistikknoten, der Schiene, Straße und Wasserstraße miteinander verknüpft. Moderne Terminalanlagen sollen den Güterverkehr in der Region und weit darüber hinaus neu organisieren und entlasten.

Kombinierter Verkehr und seine Stärken  

Hinter dem Kombinierten Verkehr steht ein einfaches Konzept: Güter werden nicht auf einem einzigen Verkehrsträger von A nach B gebracht, sondern intelligent verteilt. Ein LKW übernimmt den sogenannten Vor- und Nachlauf – also die flexible Feinverteilung im Nahbereich auf maximal 200 Kilometern. Den langen Hauptlauf erledigt dann die Bahn (oder das Binnenschiff), effizient, gebündelt, emissionsarm.

Die Ladeeinheit ist dabei standardisiert und in den meisten Fällen ein Container, kann aber auch eine Wechselbrücke, ein Sattelauflieger oder ein kompletter LKW sein. Die Güter selbst werden nicht einzeln be- und entladen, verlassen ihre Ladeeinheit also nicht und können dadurch schneller und effizienter umgeschlagen werden. Der Kombinierte Verkehr verbindet die Stärken beider Welten: die Flexibilität des LKW im Nahbereich mit der Effizienz und Umweltfreundlichkeit der Schiene auf Distanz.

Verlader und Speditionen bekommen so auch ohne eigenen Gleisanschluss Zugang zum System Schiene. Darüber hinaus ergeben sich auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht einige Vorteile:

  • LKW, die im Kombinierten Verkehr fahren (max. 150 km Luftlinie), dürfen 44 Tonnen wiegen, statt 40 Tonnen, wie im herkömmlichen Straßenverkehr
  • LKW im Kombinierten Verkehr sind von der KFZ-Steuer befreit
  • Mautgebühren lassen sich reduzieren, da der LKW nur im Vor- und Nachlauf eingesetzt wird
  • Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen für LKW entfallen, sofern im Vorlauf 200 km und im Nachlauf 150 km nicht überschritten werden

Kombinierter Verkehr:
heute wichtiger denn je

Die Zahlen sprechen für sich: Ein einziger Güterzug kann bis zu 52 LKW-Fahrten ersetzen. Auf der Schiene fallen dabei nur 16 Gramm CO₂ pro Tonnenkilometer an – rund 87 Prozent weniger als beim reinen Straßentransport.

Darüber hinaus soll das Güterverkehrsaufkommen in Deutschland laut Prognosen bis 2040 um mehr als 30 Prozent zunehmen – das fordert neue, nachhaltige Lösungen. Allein der Kombinierte Verkehr soll bis 2030 um rund 70 Prozent wachsen.

Um bestehende KV-Terminals zu entlasten, sind neue Kapazitäten zwingend erforderlich. Gleichzeitig stoßen die deutschen Autobahnen schon heute an ihre Grenzen: Staus, Infrastrukturmängel und ein wachsendes Sendungsvolumen machen deutlich, dass der Straßengüterverkehr allein keine tragfähige Antwort auf die Herausforderungen von morgen sein kann. Der Kombinierte Verkehr muss eine größere Rolle einnehmen, um nachhaltig mit zukünftigen Entwicklungen im Güterverkehr fertig zu werden.